Goldene Kammer in La Folie

Nikola Dicke hat eine einzigartige Technik entwickelt, für die sie ungewöhnliches Werkzeug benutzt: Ihre Zeichenmaterial ist nicht greifbar, sie zeichnet mit Licht. Dia- und Overheadprojektoren, Scheinwerfer und Spiegelungen verwandeln den vorhandenen Raum, lösen ihn sogar auf. 

Die Arbeiten der aus dem Ruhrgebiet stammenden, in Osnabrück und Amsterdam lebenden und arbeitenden Künstlerin hinterfragen alltägliche Sehgewohnheiten indem sie neue und faszinierende Seh-Erlebnisse bieten. Inzwischen sind Arbeiten der wissenschaftlichen Mitarbeiterin im Fachbereich Kulturwissenschaften an der Universität Osnabrück weit über Deutschland hinaus zu sehen. Nikola Dickes Zeichnungen und Rauminstallationen entstehen meist ortsspezifisch und oft „in situ“, also direkt vor Ort. Auch die Installation „Goldene Kammer“ in La Folie wird in der kommenden Woche so entstehen. “ Der Ausstellungsraum „La Folie“ liegt direkt am Pilgerweg von Osnabrück nach Telgte, wo die Schmerzhafte Mutter verehrt wird. Mit dem Titel „Goldene Kammer“ schaffe ich eine Analogie zu dem Beinhaus der St. Ursula Kirche in Köln, in dem kostbar verzierte Knochen, die der Legende nach von der Heiligen Ursula und ihren adeligen Gefährtinnen stammen, zu ornamentalen Mosaiken an den Wänden arrangiert wurden,“ erläutert Nikola Dicke ihreArbeit, die bereits 2015 für ihre Lichtinstallationen auf dem Pilgerweg Loccum – Volkenroda das Künstlerstipendium der evangelischen Landeskirche Hannover bekommen hat. Anders als beim sakralen Vorbild, werden allerdings in „La Folie“ das Gold durch profane metallisierte Rettungsfolien und die Kerzen, die das Gold im Beinhaus zum Leuchten bringen, durch Dia- und Overheadprojektoren ersetzt. „Diese Arbeit ist keinesfalls als eine ironisierende Auseinandersetzung mit Glaubensvorstellungen zu verstehen,“ führt die Künstlerin aus, „Ich sehe manche Analogien zwischen dem barocken Gesamtkunstwerk in der Kölner Kirche, das den Gläubigen die Möglichkeit bietet, sich vor der Reliquie als Stellvertreterin Hilfe und Heil zu erbitten und den modernen Rettungsfolien, die genauso Ihre Wirkkraft nur durch die Rückkoppelung mit dem hilfesuchenden Menschen entfalten. Ist es hier die Körperwärme, ist dort der Glaube“. Die Künstlerin betont diese Verbindung indem sie die handgeschriebenen Worte „Heil“ und „Rettung“ auf die Folie projeziert.

Kunst und Spiritualität werden auch die Themen des Künstlergesprächs mit Nikola Dicke und Martina Lückener bei der Eröffnung der Installation sein. Zu der Eröffnung am Freitag, 19.1. um 18.00 Uhr im Kunstkubus an der Telgter Straße lädt der Verein OstbevernKultur alle Interessierten herzlichst ein. Die Installation ist bis zum 19.2. am Ortseingang zu sehen.